Bündnis Kommunen am Limit protestiert
Das Bündnis „Kommunen am Limit“, dem auch der Frauennotruf angehört, hat zu einer Demo am 18.04.2026 aufgerufen. Unter dem Motto „Wir lassen uns nicht kürzen! Wir lassen uns nicht spalten!“ sind Vertreter*innen unterschiedlicher Organisationen aus dem sozialen und kulturellen Bereich auf die Straße gegangen, um laut gegen den Sparkurs der Stadt zu protestieren. Die Kundgebung fand um 14 Uhr an der Stadtbücherei statt, bei der auch wir mit einem Redebeitrag vertreten waren.
Redebeitrag des Frauennotruf bei Kundgebung
Liebe Mitstreiter*innen,

Vertreterin des Frauennotruf bei der Kundgebung
wir stehen heute hier, weil die Stadt Heidelberg allein dieses Jahr mindestens 40 Millionen Euro einspart – 40 Millionen, die vor allem dort eingespart werden, wo sie am dringendsten gebraucht werden: im sozialen und kulturellen Bereich. Dort, wo Menschen Unterstützung finden. Dort, wo Schutzräume existieren. Dort, wo Begegnung, Teilhabe und Selbstermächtigung möglich sind.
Diese Kürzungen sind nicht abstrakt. Sie haben konkrete Folgen. Sie treffen Menschen. Sie treffen diejenigen, die ohnehin schon weniger geschützt sind, weniger gehört werden, weniger Ressourcen haben. Und sie schwächen genau die Strukturen, die im Alltag Sicherheit schaffen.
Ich spreche heute als Mitarbeiterin vom Frauennotruf gegen sexuelle Gewalt an Frauen und Mädchen e.V. Wir sind eine feministische Fachberatungsstelle zu allen Fragen sexualisierter Gewalt gegen Frauen, Mädchen und LINTA*-Personen. Und wir sind Teil der Heidelberger Frauen AG – eines Zusammenschlusses feministischer Beratungsstellen mit unterschiedlichen Schwerpunkten.
Wir sprechen aus einer Perspektive, in der die Folgen dieser Politik jeden Tag sichtbar werden. Wir sprechen für diejenigen, die Unterstützung brauchen – und sie immer schwerer bekommen. Denn Gewalt ist politisch. Sie ist kein Einzelfall. Gewalt demonstriert Macht. Sie sichert Macht. Sie soll einschüchtern, kontrollieren und kleinhalten.
Gewalt an Frauen und LINTA*-Personen hat eine klare Funktion: Sie drängt uns in alte Rollenbilder zurück. Wir sollen still sein. Wir sollen uns anpassen. Wir sollen funktionieren – damit dieses System weiterläuft.
Ein System, das auf Ungleichheit basiert. Ein kapitalistisches, patriarchales System, in dem wenige profitieren – und viele die Konsequenzen tragen. Die, die profitieren, verfügen über Geld und damit über Macht. Und diese Macht wird verteidigt – politisch, strukturell und auch durch Gewalt.
Und genau deshalb sind diese Kürzungen kein Zufall.
Während hier vor Ort bei Beratung, Prävention und Schutz gespart wird, werden auf Bundesebene Milliarden in Aufrüstung investiert. Das zeigt, wo die Prioritäten liegen.
Es wird entschieden, wofür Geld da ist – und wofür nicht. Für militärische Stärke ist Geld da. Für den Schutz im Alltag wird es gestrichen. Das ist kein Sachzwang.
Das ist eine Entscheidung – eine politische Entscheidung mit Konsequenzen.
Denn wenn Schutzräume wegfallen, wenn Beratungsstellen überlastet sind, wenn Prävention gestrichen wird, dann werden Betroffene allein gelassen. Dann wird Gewalt nicht weniger – sie wird unsichtbarer. Und diese Politik steht nicht für sich.
Sie ist Teil eines Rechtsrucks, den wir gerade überall erleben. Ein Rechtsruck, der patriarchale Strukturen stärkt, feministische Errungenschaften angreift und Solidarität gezielt schwächt.
Antifeminismus ist dabei zentral. Denn wer feministische Arbeit angreift, greift genau die Strukturen an, die Gewalt sichtbar machen, die Betroffene stärken und die bestehenden Machtverhältnisse infrage stellen.
Hier vor Ort zeigt sich das ganz konkret:
- weniger Beratungsstunden
- weniger Schutzplätze
- weniger Präventionsarbeit für Kinder und Jugendliche in Heidelberger Schulen
Das bedeutet:
- längere Wartezeiten
- weniger Unterstützungsmöglichkeiten
- mehr Menschen, die keinen sicheren Ort finden
Und für uns bedeutet es: weniger Zeit, weniger Ressourcen, weniger Handlungsspielraum – bei gleichzeitig wachsendem Bedarf. Die Gewalt verschwindet ja nicht. Aber die Unterstützung wird weniger. Diese Kürzungen werden auf dem Rücken derjenigen ausgetragen, die am meisten Schutz und Unterstützung brauchen. Und deshalb sagen wir ganz klar:
So entsteht keine Sicherheit.
Sicherheit entsteht nicht durch Aufrüstung. Sicherheit entsteht dort, wo Menschen ernst genommen werden. Wo sie Unterstützung bekommen. Wo es Räume gibt, in denen sie geschützt sind und selbstbestimmt leben können. Und genau diese Räume müssen wir verteidigen. Gerade jetzt.
Unsere Solidarität gilt allen, die von diesen Kürzungen betroffen sind. Den Kolleg*innen in sozialen Einrichtungen, die unter immer schwierigeren Bedingungen arbeiten. Und allen Frauen und LINTA-Personen, die von patriarchaler Gewalt betroffen sind – hier und weltweit.
Wir lassen uns nicht spalten.
Wir bleiben laut.
Und wir kämpfen weiter – feministisch, solidarisch, antikapitalistisch.
Für eine Gesellschaft, die schützt.
Und für ein Leben in Sicherheit – für alle.



