Stellungnahme zum Fall Collien Fernandes: Sexualisierte Gewalt braucht verlässliche Hilfestrukturen!

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Die öffentliche Diskussion rund um den Fall Collien Fernandes zeigt erneut: Sexualisierte und patriarchale Gewalt sind keine Einzelfälle. Sie sind Teil gesellschaftlicher Realitäten, die Betroffene seit Jahren benennen und sichtbar machen.

Wir begrüßen die breite Solidarität mit Betroffenen sowie die öffentliche Auseinandersetzung mit sexualisierter und geschlechtsspezifischer Gewalt. Gleichzeitig macht der aktuelle Diskurs deutlich, wie häufig Gewalt erst dann gesellschaftliche Aufmerksamkeit erhält, wenn prominente Fälle öffentlich werden. Viele Betroffene erleben in ihrem Alltag dagegen weiterhin Schweigen, Zweifel, Verharmlosung oder Schuldumkehr.

Aussagen wie „Das können wir uns nicht vorstellen“, „So etwas passiert bei uns nicht“ oder „Das hätte sie sich denken können“ tragen dazu bei, Gewalt zu relativieren und Betroffene zusätzlich zu belasten.

Geschlechtsspezifische Gewalt ist kein Randphänomen. Sie steht im Zusammenhang mit gesellschaftlichen Machtverhältnissen, Rollenbildern und Strukturen, die Gewalt begünstigen und Betroffene häufig daran hindern, Unterstützung zu suchen oder ernst genommen zu werden.

Besonders betroffen sind Frauen, Mädchen, queere Menschen, FLINTA*-Personen, Menschen mit Behinderungen sowie Kinder und Jugendliche. Viele erleben Grenzverletzungen und Gewalt nicht nur im privaten Umfeld, sondern auch im öffentlichen Raum, in Bildungseinrichtungen, am Arbeitsplatz oder im digitalen Raum.

Was uns besonders beschäftigt: Gesellschaftliche Empörung hält oft nur kurzfristig an. Betroffene und Fachstellen weisen aber immer wieder – seit Jahrzehnten – auf bestehende Missstände hin, die auch hinter dem Fall Collien Fernandes stehen:

  • Misogyne und patriarchale Denkmuster,
  • Sexualisierte Gewalt in Beziehungen,
  • Victim Blaming (Täter-Opfer-Umkehr),
  • Mangelnder Schutz und fehlende Unterstützungssysteme für Betroffene und Angehörige.

Es braucht deshalb mehr als öffentliche Betroffenheit und kurzfristige Solidaritätsbekundungen! Notwendig sind:

  • konsequente Unterstützung und Stärkung von Betroffenen,
  • eine ausreichende finanzielle und strukturelle Absicherung von spezialisierten Fachberatungsstellen zu sexualisierter Gewalt,
  • verbindliche Schutzkonzepte in Institutionen, Bildungseinrichtungen und Betrieben,
  • gesellschaftliche Sensibilisierung für geschlechtsspezifische Gewalt,
  • sowie eine klare Haltung gegen Sexismus, Gewalt und antifeministische Entwicklungen.

Gewaltprävention, Schutz und Unterstützung dürfen nicht von öffentlicher Aufmerksamkeit abhängig sein. Betroffene brauchen verlässliche Strukturen, ernsthafte gesellschaftliche Verantwortung und Räume, in denen ihnen geglaubt wird.

Als Gesellschaft stehen wir in der Verantwortung, Gewalt nicht zu relativieren oder zu verdrängen, sondern konsequent hinzusehen, Betroffene zu unterstützen und Veränderungen aktiv mitzutragen.

Unsere Arbeit: Prävention, Beratung und Schutz auch in digitalen Räumen

Deshalb ist es wichtig, dass es spezialisierte Fachberatungsstellen zum Thema sexualisierter Gewalt gibt – wie den Frauennotruf Heidelberg – die Fachwissen, Forschung und Praxis verbinden, die Expertise und Verlässlichkeit in der Beratungsarbeit mitbringen und kontinuierlich Aufklärungs- und Präventionsarbeit leisten.

Unser Angebot umfasst:

  • Fachliche Beratung für Betroffene von sexualisierter Gewalt, unterstützende Zugehörige sowie Fach- und Führungskräfte
  • Workshops für Jugendliche zu digitaler sexualisierter Gewalt, Grenzverletzungen und Schutzmöglichkeiten
  • Elternabende an Heidelberger Schulen und Einrichtungen, um Eltern im Umgang mit digitalen Risiken und Gesprächsanlässen mit ihren Kindern zu stärken
  • Fachvorträge und Fortbildungen für Lehrkräfte, Schulsozialarbeiter*innen, Erzieher*innen sowie andere Fach- und Führungskräfte
  • Begleitung bei der Entwicklung von Gewaltschutzkonzepten in pädagogischen Einrichtungen, Schulen und Betrieben – einschließlich digitaler Räume

Ziel unserer Arbeit ist es, Wissen zu vermitteln, Handlungssicherheit zu stärken und Schutzstrukturen nachhaltig zu verbessern.

Die Schulleitung Frau Heßlein der Theodor-Heuss-Realschule Heidelberg beschreibt unser Angebot für ihre Schulgemeinschaft wie folgt:

„Der Vortrag vom Frauennotruf stieß bei den Eltern auf große Begeisterung und lieferte wertvolle Impulse für den Alltag. Sie fühlen sich nun gut vorbereitet, das Thema [digitale sexualisierte Gewalt] gemeinsam mit ihren Kindern offen und konstruktiv zu besprechen.“

Kontakt

Termine für eine Beratung erhalten Betroffene, unterstützende Zugehörige sowie Fach- und Führungskräfte über info@frauennotruf-heidelberg.de oder telefonisch zu unseren Beratungszeiten unter 06221 – 18 36 43.

Anfragen zu Elternabenden, Fachvorträgen oder Fachkräftefortbildungen können direkt an unsere Fachreferentin gerichtet werden: miriam.ott@frauennotruf-heidelberg.de.